Better Call Saul - Helfen wollen heißt dumm sein


Better Call Saul: Something Stupid
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Better Call Saul: Something Stupid
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Es ist erst einmal nichts dagegen einzuwenden, einem Menschen helfen zu wollen. Es mag in der Theorie sogar ein ehrbares Vorhaben sein. Das heißt aber nicht, dass die tatsächliche Durchführung nicht trotzdem eine reine Dummheit sein kann: Something Stupid titelt Better Call Saul diese Woche die 7. Folge der 4. Staffel und bezieht sich damit nicht nur auf den Evergreen von Carson Parks, dessen Coverversion von Lola Marsh die Eröffnungsmontage begleitet. Einer Person zu sagen, dass man sie liebt, kann unter Umständen etwas Dummes sein. Saul Goodman helfen zu wollen, ist es in jedem Fall. Und wenn diese beiden Dinge auch noch, wie bei Kim, Hand in Hand gehen, dann ist das Desaster vorprogrammiert.

Jimmy ist der einzige in Better Call Saul, der nichts Dummes tut

Zwei Menschen eilen Jimmy (Bob Odenkirk) in dieser Folge von Better Call Saul zu Hilfe, beide auf ihre ganz eigene Art. Der erste ist Huell (Lavell Crawford), der seinen Partner in der Bredouille sieht und einem Polizisten kurzerhand eine Plastiktüte voll Sandwiches über den Kopf zieht. Die Quittung dafür bekommt er im direkten Anschluss: Aussicht auf 18 Monate Knast ohne Bewährung, eine Katastrophe für den Kleinkriminellen, der mit grenzenloser Naivität bepackt ("They didn't get D.B. Cooper.") notfalls auch gewillt ist, das Weite zu suchen. Ein grenzdebiler Plan, der aus der Dummheit der Sandwichattacke ein Feuerwerk der Verblödung machen würde. Jimmy weiß das, kann seinem Freund aber nicht helfen, wendet sich damit also an Kim (Rhea Seehorn). Die moralischen Fragwürdigkeiten dieses Anliegens ausgeblendet, ist Jimmy in dieser Konstellation vielleicht der einzige, der tatsächlich etwas Cleveres tut. Es ist nur schwer vorstellbar, dass Kims Bereitschaft, Jimmy zu helfen, eine gute Idee ist.

Better Call Saul: Das Verhältnis zu Jimmy ist kaputt - Kim will es nicht wahrhaben

Was das Verhältnis zwischen Kim und Jimmy diese Woche besonders tragisch macht, ist die Inszenierung der Folge, die uns mehr vermittelt als vor allem Kim wahr haben will. Wir können der Entfremdung zwischen den beiden in der acht Monate überbrückenden Montage (geschnitten von Skip Macdonald, der auch schon für die wundervolle Street Life-Sequenz in Quite a Ride verantwortlich war) zu Beginn der Episode zusehen: Zu Beginn teilen sie sich noch eine Bildschirmhälfte, die Gesichter zueinander gewandt. Später überqueren sie den schwarzen Balken in der Mitte nur noch, um sich ein Glas Wein einzuschenken oder das Bein auszustrecken, ohne direkten Blickkontakt aufzunehmen. Schlussendlich blicken sie in entgegengesetzte Richtungen bis sie Rücken an Rücken im Bett liegen, die eine Hälfte finster, in der anderen Hälfte ein hellwacher, zutiefst unzufriedener Jimmy, dem der Absturz dieser Beziehung dämmert. Kim arbeitet dagegen an. Sie verübelt Jimmy nicht einmal den pubertären, spöttischen Kampf gegen die Borniertheit besserverdienender Top-Anwälte, die Kim viel tollere Büros zur Verfügung stellen, als er es jemals können wird. "Well, that was something", resümiert sie auf der schweigsamen Heimfahrt und legt einen weiteren Fehltritt ihres Freundes in trauriger Gutgläubigkeit zu den Akten.

Und dann, für einen Wimpernschlag, glauben wir den Faden reißen zu sehen. In der Szene, in der Jimmy Kim seinen Plan zur Rettung von Huell offen legt, spielt Better Call Saul alle Stärken dieser Serie aus: Seit fast vier Staffeln schreiten wir in gemächlichstem Tempo und in schauriger Vorahnung einem Ende dieser Liebesgeschichte entgegen, wandelten dabei regelmäßig an der Grenze zur emotionalen Überdehnung. Kims erste Reaktion auf Jimmys Geschichte scheint jetzt endlich den Knall einzuläuten. "You've been selling drop phones? On the street?" Desillusionierte Blicke in die Leere. Mehr Geschnatter von Jimmy. Kim sagt über eine ganze Minute gar nichts, versucht die Fassung zu bewahren, bringt nur ein ungläubiges Gestotter zustande. Ihr nächster ganzer Satz richtet sich an ihre Assistentin - eine Bitte, ihr die Akten von Huells Fall zu bringen. Wieder einmal hat sie sich Jimmy zuliebe gegen das Vernünftige und für das Dumme entschieden. Sie wird ihm helfen, und vieles spricht dafür, dass es sich hierbei um die letzte gemeinsame Aktion zwischen den beiden handeln wird. Da kann sich Kim noch so anstrengen.

Es gibt in Better Call Saul einen besseren Weg

Wem der Austausch zwischen Kim und Jimmy noch nicht genug war, dem wird spätestens zum Ende der Episode endgültig das Herz gebrochen. Staatsanwältin Suzanne Ericsen (Julie Pearl) hält Kim vor Augen, um wen es sich bei Jimmy eigentlich handelt, nämlich "a scumbag, disbarred lawyer who peddles drop phones to criminals." Eine frühere Version von Kim hätte die Staatsanwältin für solch einen Kommentar ordentlich zusammengefaltet (da muss man nur mal Howard fragen), doch diese Kim ahnt allmählich, wie viel Wahrheit in diesem Urteil steckt. Umso verzweifelter wirkt ihr Versuch, Jimmy helfen zu wollen, nachdem er sich nicht gerade kooperativ zeigt. "Whatever you're doing, don't. I have a better way", sagt sie ihm am Telefon, als meinte sie nicht nur den Weg, Huell aus der Scheiße zu retten, sondern ihre gemeinsame Zukunft. Es gibt einen besseren Weg, glücklich zu sein, als sich dem Rausch der kriminellen Unterwelt Albuquerques hinzugeben. Vor ihr steht ein Einkaufswagen voller knallbunter Büroutensilien. Was auch immer sie damit vorhat, es wird etwas Dummes sein.

"You do your thing, I'll do mine."

Notizen am Rande:

  • Nachdem Gus letzte Woche mit seinem Superschurken-Monolog eher peinlich als bedrohlich war, darf er endlich wieder gespenstisch sein: Hector ist jetzt gerade so in der Lage, der Krankenschwester auf den Arsch zu schielen. Wer muss schon laufen und sprechen können? Lasst uns ihn in seinen Körper einsperren.
  • Als nächstes dann bitte ein Spin-off des guten Werners. Wie genau wird man in Deutschland zum gesetzlosen Ingenieur, der unterirdische Crystal Meth-Labore in New Mexico baut?
  • Mike hat keinen Bock auf die Albernheiten und Unachtsamkeiten der Bauarbeiter. "Maybe that's the problem. They're boys." Dass die Jungs langsam mal an die frische Luft und Spaß haben wollen, kann eigentlich nur Ärger bedeuten. Vor allem für Kai.
  • Wenn ich einen Arbeitsweg hätte, würde ich das hier jeden Tag dabei hören.
  • Nacho?



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