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Veronica Mars & die wunderbare Welt des Crowdfundings


Fernsehen oder doch lieber Kino? Veronica Mars ermittelt.
© Warner
Fernsehen oder doch lieber Kino? Veronica Mars ermittelt.

Sechs Jahre ist es her, dass Veronica Mars nach nur drei Staffeln das Zeitliche segnete. Die Serie über eine Teenager-Detektivin erzählte Cming of Age-Geschichten im Film noir-Gewand und scharte so eine treue Fangemeinde um sich. Seit eben diesen sechs Jahren versucht Creator Rob Thomas einen Veronica Mars-Kinofilm auf die Beine zu stellen, scheiterte aber stets am Widerstand der Verantwortlichen von Warner. Vergangene Woche wagte er zusammen mit Hauptdarstellerin Kristen Bell den Schritt auf die Crowdfunding-Plattform Kickstarter und sammelte bislang sage und schreibe 3 Millionen Dollar ein. Die Fans freuen sich über die Realisierung ihres Traums. Beobachter diskutieren derweil, ob dem Crowdfunding-Konzept dauerhaft Schaden zugefügt wurde.

57.837 Menschen haben zum jetzigen Zeitpunkt 3.772.065 Dollar in Veronica Mars investiert. Bei der Crowdfunding-Plattform Kickstarter brach das Projekt vergangene Woche Rekorde. Innerhalb von viereinhalb Stunden kam eine Million Dollar zustande, nach weniger als einem Tag waren zwei Millionen erreicht. Dabei hatten sich Kristen Bell und Rob Thomas für diesen Meilenstein 30 Tage vorgenommen. Fans haben also noch 21 Tage Zeit, um 10, 100, 10.000 oder mehr Dollar in den Veronica Mars-Film zu schießen. Auf welche Summe das Projekt letztlich kommt, ist kaum abzuschätzen. Gedreht werden soll jedenfalls im Sommer.

Die Freude über den Erfolg des Veronica Mars-Films war naturgemäß groß, doch sie blieb nicht ungetrübt. Schon bald meldeten sich Kritiker des Projekts. Viele bemängelten, dass hier Millionen in einen Film investiert wurden, die woanders viel sinnvoller verwendet werden könnten. Die Argumentation bemühte bestenfalls all die kleinen Indie-Projekte, die leer ausgingen, schlimmstenfalls die armen Kinder in Afrika. Doch genauere Analysen hoben hervor, dass das Crowdfunding-Modell selbst durch Veronica Mars nachhaltig verändert werden könnte und das zum Negativen. “Die nächste Kickstarter-Kampagne wird dann wohl die Gehälter der Warner-Bosse finanzieren. Kommt schon Leute!”, tweetete Tim Goodman vom Hollywood Reporter und traf den Nagel damit verkürzt auf den Kopf.

Der Veronica Mars-Film ist tatsächlich das erste Kickstarter-Projekt, hinter dem ein großes Studio steht. Auch nach Ende der Serie besitzt Warner Bros. die Rechte an dem Stoff und so war die Kampagne nur mit dem Konzern umzusetzen. Der Deal, den Rob Thomas mit den Verantwortlichen des Traditionshauses gemacht hat, sieht folgendermaßen aus: Mit Hilfe des Crowdfundings wird die Produktion gestemmt, die Kosten für die Vermarktung und den Verleih übernimmt Warner. Zwar ist ein Budget von unter zehn Millionen Dollar für das Studio hinter Christopher Nolans Batman-Trilogie und Man of Steel ein Pappenstiel. Auf Grund der niedrigen Quoten der Serie wehrten sich die Verantwortlichen trotzdem jahrelang (und verständlicherweise), einen Kinofilm zu finanzieren. Warum auch nicht? Zeitigte das letzte Projekt dieser Art, Serenity – Flucht in neue Welten von Joss Whedon, doch keinen Erfolg an den Kinokassen. Nun kommt Warner für die Kosten einer wahrscheinlich nicht gerade ausufernden Marketing-Strategie auf, bringt den Film wohl in limited release in die Kinos und profitiert danach auf Jahre von DVD-Verkäufen und ähnlichem.

Das finanzielle Risiko wird mit Hilfe der treuen Anhänger der cleveren Detektivin auf ein Minimum reduziert und andere Studios werden den Verlockungen des Crowdfundings erliegen. Immerhin zahlen die Fans im Grunde schon im Vorfeld zwei oder mehrmals für Eintritt, bekommen günstige Belohnungen und berappen anschließend nochmal den eigentlichen Ticketpreis an der Kinokasse. Die durchschnittliche Spende für das Projekt liegt laut Buzzfeed bei rund 65,50 Dollar, die Mehrheit der Förderer investierte zwischen 10 und 100 Dollar. Warner Bros. finanziert den Film so mit geringem Aufwand vor und profitiert zudem von einem kostenlosen Marketing, das mit gebrochenen Kickstarter-Rekorden nun einmal einhergeht.

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the gaffer Jenny Jecke
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Redakteurin bei ob-b5.com, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Nudel-Restaurants in Hongkong spielen.
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